Mittwoch, 18. Januar 2023

Der Gefährder

Ja, Dr. Schräg am Apparat!

Anrufer: Guten Tag! Gefährder.

Dr. Schräg: Guten Tag, Herr Gefährder!

Anrufer: Nein, das ist nicht mein Name.

Dr. Schräg: Sie haben sich doch als Gefährder vorgestellt. Oder habe ich mich verhört?.

Anrufer: Nein, Sie haben sich nicht verhört und Sie haben natürlich recht.

Dr. Schräg: Ich komme jetzt nicht ganz mit. Sie sind also nicht Gefährder?

Anrufer: Mein Name tut nichts zur Sache. Gefährder bin ich trotzdem.

Dr. Schräg: Also ehrlich gesagt verstehe ich jetzt nur noch Bahnhof. Was genau ist denn überhaupt Ihr Problem?

Anrufer: Wie schon gesagt bin ich ein Gefährder und das sagt auch die Polizei.

Dr. Schräg: Das sagt auch die Polizei. Aha!

Anrufer: Das stand doch in der Presse, dass allen Gefährdern künftig Fußfesseln angelegt werden sollen, damit man immer weiß wo sie sich gerade aufhalten.

Dr. Schräg: Sagen Sie mal, weiß Ihre Organisation, dass Sie mich anrufen?

Anrufer: Ich bin langjähriges Mitglied, habe denen aber nicht gesagt, dass ich mit Ihnen Kontakt aufnehmen werde.

Dr. Schräg: Dann bin ich ja beruhigt.

Anrufer: Das können Sie auch sein. Ich tue Ihnen nichts, auch wenn ich ein Gefährder bin.

Dr. Schräg: Ich wiederhole noch einmal meine Frage. Was genau ist Ihr Problem?

Anrufer: Ich fühle mich ausgegrenzt und stigmatisiert.

Dr. Schräg: Das müssen Sie mir aber jetzt näher erklären. Von wem fühlen Sie sich ausgegrenzt?

Anrufer: Meine Aktivitäten als Gefährder sind stark eingeschränkt und es wird leider von staatlicher Seite alles getan, um mich zu diskriminieren. Auch in den Medien wird unsere Gruppe als besonders gefährlich und als große Bedrohung für das Leben anderer Menschen dargestellt.

Dr. Schräg: Ja stimmt das denn nicht? Man erfährt doch als Gefährdeter fast täglich von der Gefährlichkeit ihrer Gruppe für die Gesundheit, bzw. das Leben anderer Menschen. Sogar für Sie als Gefährder ist das sehr gefährlich und die Folgen sind ja hinlänglich bekannt.

Anrufer: Aber man muss uns doch deswegen nicht an die Kette legen wie bissige Hunde, und einen Maulkorb will ich auch nicht tragen.

Dr. Schräg: Das kann ich verstehen.

Anrufer: Schön, dass es noch Menschen gibt, die Verständnis für uns sowohl als Gefährder als auch selbst Gefährdete aufbringen.

Dr. Schräg: Was kann ich denn jetzt ganz konkret für Sie tun?

Anrufer: Als Gefährder, der gleichzeitig auch selbst gefährdet ist, ist das auf die Dauer natürlich sehr gefährlich wie Sie schon ganz richtig gesagt haben. Mir ist dies in seiner Bedeutung erst jetzt im Gespräch mit Ihnen so richtig klar geworden.

Dr. Schräg: Das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt kommt es sehr darauf an, wie Sie mit dieser neuen Erkenntnis umgehen.

Anrufer: Was schlagen Sie als Fachmann für gefährliche Selbstgefährder wie ich einer bin, denn als nächsten Schritt vor?

Dr. Schräg: Zu allererst müssen Sie zu den Mitgliedern Ihrer Gruppe und deren radikalen Ideologie innerlich auf Distanz gehen. In einem zweiten Schritt sollten Sie zu staatlichen Stellen, deren Aufgabe es ist, Menschen wie Ihnen beim Ausstieg aus diesem Milieu nach Kräften zu helfen, Kontakt aufnehmen. Eine neue Identität zu erhalten, ist in Ihrem Fall unbedingt erforderlich.

Anrufer: Also jetzt verstehe zur Abwechslung mal ich nur Bahnhof. Als starker Raucher weiß ich um die Gefährlichkeit meiner Sucht für mich und andere. Deshalb muss ich mich aber nicht von meiner Gruppe distanzieren und eine neue Identität annehmen. Was denken Sie denn von mir!

Dienstag, 3. Januar 2023

Anfangen und Beginnen ist nicht immer das Gleiche

Dr. Schräg am Apparat, guten Abend!

Anruferin: Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.

Dr. Schräg: Sagen Sie einfach auch guten Abend!

Anruferin: Guten Abend!

Dr. Schräg: Danke! Sehen Sie, das ist doch schon mal ein Anfang.

Anruferin: Ja, aber ich weiß trotzdem nicht, wo ich anfangen soll.

Dr. Schräg: Ach wissen Sie, auch ich weiß nicht immer in welchem Stadium ich anfangen soll, den Anrufern ganz offen meine ehrliche Meinung zu sagen. Oft ist es besser, erst im weiteren Verlauf des Gespräches damit zu beginnen.

Anruferin: Ich nehme es keinem übel, wenn er mir gleich die Wahrheit sagt.

Dr. Schräg: Was ist Wahrheit? Schon Pontius Pilatus soll das nicht gewusst haben.

Anruferin: Interessant! Also, es gibt in meinem Fall zwei Möglichkeiten anzufangen: in der Nähe oder weiter weg.

Dr. Schräg: In der Nähe oder weiter weg? Lassen Sie mich nachdenken ... wie wäre es denn, wenn Sie weiter weg beginnen.

Anruferin: Tjaaa, das könnte ich natürlich machen. Aber Nähe hat auch Vorteile, wenn man anfängt. Denken Sie nur an den Zeitgewinn.

Dr. Schräg: Da ist was dran. "Zeit ist Geld" heißt es doch und man ist gleich "in medias res."

Anruferin: Wo ist das denn?

Dr. Schräg: Mittendrin!

Anruferin: Was Sie alles wissen. Toll! Aber Sie haben solche Sachen ja auch studiert. Da kann unsereins nicht mithalten. Nee, wirklich nicht.

Dr. Schräg: Schon gut. Aber nun beginnen Sie doch mal, äh… ich meine natürlich … bitte fangen Sie an.

Anruferin: Ich sage das jetzt zum letzten Mal: ich weiß nicht, wo ich anfangen soll!

Dr. Schräg: Sie wollten doch mittendrin beginnen.

Anruferin: Das haben Sie gesagt!

Dr. Schräg: Habe ich da etwas falsch verstanden?

Anruferin: Ja.

Dr. Schräg: Ja?

Anruferin: Sie verstehen immer noch nicht: es geht um meinen neuen Arbeitsplatz!

Dr. Schräg: Ach so! Warum haben Sie das denn nicht gleich zu Beginn gesagt?

Anruferin: Aber klar habe ich das gesagt. Ich habe gesagt, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll.

Dr. Schräg: Vielen Dank für Ihren Anruf!
 

Donnerstag, 22. Dezember 2022

Was ich noch fragen wollte

Dr. Schräg am Apparat.

Anrufer: Hallo Alfred! Hier ist noch mal der Berti.

Dr. Schräg: Ach, Sie schon wieder. Sie sind doch derjenige, der seine Frau nachts in die Tiefkühltruhe steckt. Pfui Deibel!

Anrufer: Ja, also ... ähm ...

Dr. Schräg: Ich höre.

Anrufer: Ja, also was ich dich noch fragen wollte ...

Dr. Schräg: Tun Sie sich bloß keinen Zwang an.

Anrufer: Meine Frage klingt vielleicht seltsam und ...

Dr. Schräg: Was glauben Sie, wonach ich schon alles gefragt worden bin.

Anrufer: Dann bin ich ja beruhigt.

Dr. Schräg: Nun aber mal los, fragen Sie!

Anrufer: Es geht um das wie man so sagt „beste Stück des Mannes“. Schon seit längerer Zeit ist es bei mir allerdings nur noch ein Stückchen.

Dr. Schräg: Wie alt sind Sie?

Anrufer: Siebenundachtzig.

Dr. Schräg: Ja, dann ...

Anrufer: Du meinst, das ist nicht ungewöhnlich in meinem Alter?

Dr. Schräg: Ja, so ist es. Was wollten Sie denn nun über Ihr „Stückchen“, wie Sie es nennen, genau wissen?

Anrufer: Stell dir vor, ich habe schlicht und ergreifend vergessen, was ich außer zu pinkeln, vielleicht sonst noch damit gemacht habe.

Dr. Schräg: Sie sind doch verheiratet.

Anrufer: Was hat denn das mit Erna zu tun? Sie ist übrigens heute Nacht gestorben. Ich hatte sie wohl etwas zu lange in der Kühltruhe liegenlassen und ....

Dr. Schräg: Das ist ja furchtbar! Haben Sie schon den Notarzt und die Polizei gerufen?

Anrufer: Ach, das hat doch noch Zeit. Ich rufe erst an, wenn sie ganz aufgetaut ist. Viel wichtiger ist doch jetzt die Frage, was ich mit dem Stückchen sonst noch gemacht habe.

Dr. Schräg: Ich kann es nicht fassen. Was sind Sie bloß für ein Mensch!?

Anrufer: Nun sag schon, Alfred!

Dr. Schräg: Ich denk‘ nicht dran und rufen Sie mich nie wieder an. Nie wieder!!


Mittwoch, 14. Dezember 2022

Das Corona-Wirrus

Dr. Schräg am Apparat!

Anrufer: Hallo Herr Doktor!

Dr. Schräg: Guten Abend! Was kann ich für Sie tun?

Anrufer: Ja ... mhm ...

Dr. Schräg: Worum geht es denn?

Anrufer: Ich habe da mal eine Frage.

Dr. Schräg: Schießen Sie los!

Anrufer: Also Erna, das ist meine Frau wissen Sie. Also Erna macht sich Sorgen.

Dr. Schräg: Sie macht sich Sorgen. Aha!

Anrufer: Ja, große Sorgen.

Dr. Schräg: Um wen macht sich denn Ihre Frau Sorgen? Um Sie?

Anrufer: Nein, nein. Mit mir ist alles in Ordnung. Aber dass man im Fernsehen schon seit geraumer Zeit viele Reporter immer mit einer Plastikfolie sieht, die sie über das Mikrofon gezogen haben, versteht sie nicht. Ich auch nicht.

Dr. Schräg: Wissen Sie denn nicht, dass das eine reine Vorsichtsmaßnahme ist?

Anrufer: Also wir dachten bisher, dass ein zertifizierter Mund/Nasenschutz gegen den Corona-Dingsbums ... ähm ...den Wirrus ein guter Schutz ist.

Dr. Schräg: Die Plastikhülle über dem Mikrofon ist eine wichtige zusätzliche Hygienemaßnahme und verhindert die Übertragung des Virus und somit eine Ansteckung.

Anrufer: Oh, das wusste ich nicht. Da wird Erna aber beruhigt sein, wenn ich ihr das erzähle. Vielen Dank, dass Sie mich aufgeklärt haben!

Dr. Schräg: Gern geschehen.

Anrufer: Ich werde jetzt aber vorsichtshalber unser Telefon, das Handy, das Radio und selbstverständlich auch den Fernseher in Plastikfolie einpacken.

Dr. Schräg: Ja, um Himmels Willen! Warum denn das?

Anrufer: Kürzlich waren im Fernsehen einige Reporter ohne Folie zu sehen. Das ist doch sehr verantwortungslos von den Kerlen. Finden Sie nicht? Jetzt ist mir auch klar, warum die Anzahl der Menschen immer weiter ansteigt, die von dem heimtückischen Wirrus infiziert wurden. Sicher ist sicher! Man weiß ja nie, ob ...

Dr. Schräg: Ja, aber ... der Wirrus ... ähm ... das Virus ...

Anrufer: Auf Wiederhören Herr Doktor!

Donnerstag, 1. Dezember 2022

Der Mann am Fenster

Dr. Schräg am Apparat!

Anruferin: Hallo!

Dr. Schräg: Guten Tag!

Anruferin: Wer ist da?

Dr. Schräg: Dr. Schräg am Apparat. Was kann ich für Sie tun?

Anruferin: Da steht immer ein Mann!

Dr. Schräg: Aha! Wo steht denn der Mann und was macht er?

Anruferin: Er steht im Haus gegenüber am offenen Fenster und machen tut er nichts.

Dr. Schräg: Er steht am Fenster und macht nichts.

Anruferin: Er schaut nur.

Dr. Schräg: Wohin schaut er denn?

Anruferin: Er schaut mich an.

Dr. Schräg: Er steht also nur da und schaut Sie an. Können Sie ihn beschreiben? Wie sieht er denn aus und was hat er an?

Anruferin: Er schaut irgendwie merkwürdig. So, als ob er auf etwas wartet. Er hat ein weißes Unterhemd an, aber was er sonst noch trägt kann ich leider nicht sehen.

Dr. Schräg: Bitte entschuldigen Sie die Frage, aber Sie sind vollständig angezogen?

Donnerstag, 10. November 2022

Nichts wird so heiß gegessen …

Ja, Dr. Schräg am Apparat!

Anrufer: Hallo! Hier ist Berti .

Dr. Schräg: Guten Tag!

Anrufer: Ich hätte da mal eine Frage.

Dr. Schräg: Ja, bitte!

Anrufer: Wie heißen Sie eigentlich mit Vornamen?

Dr. Schräg: Alfred.

Anrufer: Hallo Alfred!

Dr. Schräg: Was haben Sie denn sonst noch auf dem Herzen, Berti?

Anrufer: Sag mal, Alfred, bei dir rufen bestimmt auch Frauen an, die mit ihren Männern … wie soll ich sagen … ähm …

Dr. Schräg: Ja?

Anrufer: Also, die mit ihren Männern gewisse Probleme haben.

Dr. Schräg: Was für Probleme meinen Sie? Sie müssen mir das schon genauer erklären.
 
Anrufer: Also diese Männer können nicht …

Mittwoch, 9. November 2022

Zu schnell unterwegs

Ja, Dr. Schräg am Apparat!

Anrufer: Hallo Herr Doktor, ich wollte mich mal mit Ihnen austauschen.

Dr. Schräg: Ja, bitte!

Anrufer: Also, ich bin vorbestraft, aber sonst geht’s mir gut.

Dr. Schräg: Sie sind vorbestraft und es geht Ihnen gut.

Anrufer: Ja, das stimmt. Manchmal denke ich, dass alles viel zu schnell gegangen ist.

Dr. Schräg: Alles ist zu schnell gegangen.

Anrufer: Ja. Wissen Sie, ich bin nämlich ein Kapitän.

Dr. Schräg: Sie meinen, Sie sind ein richtiger Kapitän und haben ein Schiff?

Anrufer: Nein, nein. Ich bin, nee, ich war mal ein "Kapitän der Landstraße" und immer verdammt schnell unterwegs. Das können Sie mir glauben.

Dr. Schräg: Sie waren also Fernfahrer. Interessant!

Anrufer: Ja, und schnell war ich. Das hat auch mein Chef immer gesagt. Freddy hat er gesagt, du bist der Schnellste.

Dr. Schräg: Aber ist das nicht gefährlich, ich meine, so mit 40 Tonnen im Rücken? Und dann steht nachts plötzlich ein Reh auf der Straße.

Anrufer: Wenn’s doch nur ein Reh gewesen wäre, aber es war eine Frau.